Sonderrufnummern in Deutschland – Technik, Hintergrund und Kosten

Sonderrufnummern in Deutschland – Technik, Hintergrund und Kosten – Die Rufnummern im Festnetz und Mobilfunk in Deutschland sind viele Jahr lang gewachsen und mittlerweile in unterschiedliche Bereiche eingeteilt. Es gibt die Ortsvorwahlen, die mobilen Rufnummern und darüber hinaus auch noch eine ganze Reihe von Rufnummern, die sich nicht direkt in dieses Schema einordnen lassen und daher als Sonderrufnummern bezeichnet werden. Sie haben unterschiedliche Abrechnungsformen und die Kosten fallen auch sehr verschieden aus. In diesem Artikel haben wir den Überblick über Sonderrufnummern in Deutschland zusammengestellt mit Hinweisen zu den Hintergründen und zur Bepreisung der jeweiligen Vorwahlen.

Was sind Sonderrufnummern?

Definition: Sonderrufnummern sind Telefonnummern, die für bestimmte Zwecke vorgesehen sind und die daher nicht zu den normalen Teilnehmeranschlüssen wie Ortsvorwahlen oder Mobilfunk gehören. Sie werden in der Regel separat abgerechnet und teilweise unterliegen sie auch einer Regulierung durch die Bundesnetzagentur – die Preise können also nicht frei festgelegt werden

Sonderrufnummern müssen dabei nicht immer teuer sein. Es gibt mit den 0800 Rufnummer sogar kostenlose Vorwahlen und teilweise wird auch per Anruf und nicht per Minute abgerechnet. Das kann die Kosten auch deutlich senken. Auf der anderen Seite gehören aber auch die 0900 Nummern zu den Sonderrufnummern und dahinter stehen die teuersten Verbindungen, die man derzeit in Deutschland bekommen kann. Man kann also nicht immer sagen, dass Sonderrufnummern teuer sind, aber sie könnten je nach Vorwahl das Gebührenkonto richtig stark belasten.

Generell gilt aber, dass Sonderrufnummern in Deutschland in der Regel nicht unter die normalen Leistungen eines Festnetzanschlusses oder eines Mobilfunk-Vertrags fallen. Sie werden also separat abgerechnet und Allnet Flat oder auch Freiminuten greifen bei Verbindungen zu diesen Rufnummern NICHT. Teilweise ist es dazu leider immer noch so, dass Sonderrufnummern aus dem Festnetz günstiger sind als bei Anrufen mit dem Smartphone. Es gibt zwar ein Maximum, dass die Kosten deckelt, wenn man aus dem D1 Netz, dem Vodafone Netz oder dem O2 Netz anruft, die Gestaltung der Kosten unterhalb dieser Grenze ist aber immer noch recht frei und damit auch unterschiedlich. Das verursacht bei vielen Verbrauchern immer noch Unsicherheiten

Viele Netzbetreiber und Mobilfunk-Anbieter haben daher die Möglichkeit, Sonderrufnummern sperren zu lassen. Oft gilt dies vor allem für die teuren 0900 Rufnummern, aber auch die anderen Sonderrufnummern kann man auf diese Weise vorab sperren und eine Anwahl ist dann nicht möglich. In der Regel ist so eine Sperre kostenlos und man kann sie im Kundenbereich auch wieder aufheben. Die Sperrung ist vor allem dann sinnvoll, wenn man das Handy an die Kinder weitergibt oder man sich selbst nicht sicher ist, welche Rufnummern wie viel Kosten. Im Prepaid Bereich lassen sich solche Sperren auch hinterlegen, dort kann aber ohnehin nur abtelefoniert werden, was auf dem Prepaid Konto an Guthaben vorhanden ist.

Vorwahl 0137 – Die Vorwahl für Votings und Gewinnspiele

Die Vorwahl 0137 wird als Sonderrufnummer gerne genutzt um Massendienste wie Votings, Gewinnspiele oder andere Angebote abzuwickeln. Genau dafür ist diese Nummer auch gedacht und sie darf auch nur dafür eingesetzt werden. Man findet diese Vorwahl oft im TV oder mittlerweile auch im Netz bei Voting-Shows oder bei Abstimmungen und in der Regel ist dazu dann auch ein Preishinweis mit angegeben. Vor allem beliebte Shows mit vielen Zuschauern generieren auf diese Weise dann zusätzliche Einnahmen. Die Preise für diese Rufnummern sind zwar nicht sehr hoch, aber wenn mehrere tausend Zuschauer anrufen, dann kommen auch so recht hohe Summen zusammen.

Die Bundesnetzagentur schreibt dazu selbst:

Massenverkehrs-Rufnummern dürfen ausschließlich für die Erbringung von Massenverkehrs-Diensten genutzt werden. Diese sind charakterisiert durch ein hohes Verkehrsaufkommen in einem oder mehreren kurzen Zeitintervallen mit kurzer Belegungsdauer zu einem Ziel mit begrenzter Abfragekapazität.

Massenverkehrs-Dienste sind demnach Dienste, die zum Einen durch die Kürze der Anrufzeit (beispielsweise der Möglichkeit der Stimmabgabe oder der Meldung für die Teilnahme an einem Gewinnspiel) geprägt sind und die zum Anderen nicht dauerhaft angeboten werden. Die Möglichkeit der Generierung vieler Anrufe innerhalb eines definierten, kurzen Zeitraumes bei gleichzeitigem Schutz des Netzes vor Überlastungen steht im Vordergrund der Nutzung. Der Massenverkehrs-Dienst muss innerhalb eines begrenzten Zeitraums zu Verkehrsspitzen führen.

Die Preise für diese Rufnummern sind derzeit unterschiedlich gestaffelt und richten sich nach der Ziffer, die nach der 0137 kommt. Generell liegen die Preise zwischen 14 Cent und 1 Euro pro Anruf, bei den Rufnummern mit 2, 3 und 4 an der 5. Stelle wird mit 14 Cent pro Anruf abgerechnet. Diese Preise gelten aus den Festnetzen. Im Mobilfunk können Anbieter auch höhere Kosten verlangen, das sollte man also vorher abklären, wenn man solche Sonderrufnummern auf dem Handy nutzen will. Auch die 0138 gehört zu diesem Nummernkreis.

Den Überblick über die 0137 Sonder-Rufnummern gibt es hier: 01371| 01372| 01373| 01374 | 01375| 01376| 01377| 01371

Die Vorwahl 0180 (01801 bis 01807)

In diesem Rufnummernbereich finden sich die sogenannten Service-Dienste Rufnummern. Sie sind für Hotlines oder Ähnliches gedacht und sollen die Anrufer an den Kosten für solche Services zumindest teilweise beteiligen. Es gibt aber Obergrenzen für die Kosten, so dass Verbraucher eine gewissen Kostensicherheit haben.

Die Bundesnetzagentur schreibt dazu:

Service-Dienste-Rufnummern dürfen ausschließlich für die Erbringung von Service-Diensten genutzt werden. Voraussetzung für eine Zuteilung einer Service-Dienste-Rufnummer ist, dass der Antragsteller die Einrichtung einer Rufnummer für Service-Dienste bei einem Betreiber eines Telekommunikationsnetzes beauftragen will und beabsichtigt, bei ihrer Anwahl einen dem Nutzungszweck der Rufnummer entsprechenden Dienst zu erbringen. Die Beauftragung kann direkt beim Betreiber eines Telekommunikationsnetzes oder indirekt über einen Diensteanbieter erfolgen. Zuteilungen werden auch gegenüber dem Betreiber eines Telekommunikationsnetzes vorgenommen. Voraussetzung dafür ist, dass er in dem von ihm betriebenen Telekommunikationsnetz eine Rufnummer für Service-Dienste einrichten will und beabsichtigt, bei ihrer Anwahl selbst einen dem Nutzungszweck der Rufnummer entsprechenden Dienst zu erbringen.

Die Kosten für einen Anruf auf einer 0180 Nummer richten sich nach der Nummer, die an der 5. Stelle kommt und danach, ob man aus dem Festnetz oder mit dem Handy anruft. im Vergleich zu 0137 Rufnummern sind die Gebühren aber geringer, liegen bei 3,9 bis maximal 14 Cent pro Minute oder 20 Cent pro Anruf.

Mittlerweile steht fest, dass die unterschiedlichen Kosten zwischen Festnetz und Mobilfunk zum 1. April 2022 enden werden. Die Bundesnetzagentur hat dies bereits beschlossen.

Mehr dazu haben wir in diesen Artikeln zusammengestellt: 01801 | 01802 | 01801 | 01801 | 01805 | 01806 | 01807

Die 0190 und 0191 Rufnummern und Vorwahlen

Die 0190 Rufnummern waren die Vorgänger der 0900 Nummern und ebenso für die Abrechnung von preisintensiven Dienstleistungen gedacht. Allerdings wurde damit leider auch sehr viel Mißbrauch betrieben und daher entschloss sich die Aufsichtsbehörde, hier eine neue Regelung einzuführen. Daher wurde stattdessen ab 2010 auf die 0900 für diese Dienstleistungen gesetzt.

Dazu gab es auch noch die 0191 Nummern. Vorwahlen, die mit 0191 beginnen, waren Vorwahlen für die Einwahl ins Internet oder Online-Dienste (Internet by Call, Dialer). Neben der 0191 gehören dazu noch die 0192, 0193 und 0194. Heute darf nur noch die 09009 für Dialer verwendet werden, die 0191 kommt also im normalen Einsatz nicht mehr vor.

Als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, war die 0191 oftmals Teil einer Rufnummer, die man über ein Programm am PC anwählen musste, um das Internet nutzen zu können. Während diese legale Variante von Einwahlprogrammen zu jedem Internetanbieter gehörte, versuchten auch Betrüger sich diese Nummer von Nutzen zu machen. Da die Kosten für die 0191 frei wählbar waren, wurden mehrere Premium-Rate-Dialer in heimische PCSs eingeschleust, die sich kostspielig mit dem Internet verbanden. Dieses passierte praktisch unsichtbar: der Nutzer klickte einen Link zu einem Spiel o.ä. an und installierte das vermeintlich zugehörige Programm. Nach der Installation erhielt der User aber kein Spiel, sondern nur ein unsichtbares Dialer-Programm, was sich von nun an sehr kostspielig mit dem Internet verband. Ein Dialer kassierte pro Verbindung gar 900 Euro. Das Entfernen der Dialer musste zumeist über gute Programmierkenntnisse oder Virenscanner erfolgen, da die 0191 eben auch für die reguläre Einwahl ins Internet verwendet wurde und somit nicht ohne Weiteres gesperrt werden konnte.

Generell gibt es daher die 0190 aktuell im praktischen Einsatz nicht mehr und wer von so einer Rufnummer angerufen wird, kann ohnehin davon ausgehen, dass es sich im eine manipulierte Rufnummer handelt.

Die persönliche 0700 Rufnummer

Die 0700 ist eine Besonderheit unter den Vorwahlen. Mit ihr und einer 8-stelligen Durchwahl kann man ein Leben lang stets dieselbe Festnetznummer haben. Sie lässt sich problemlos zu jedem Anbieter mitnehmen. Die 0701 gehört ebenfalls zum System. Die Bundesnetzagentur schreibt zu 0700 Sonderrufnummern kurz und knapp:

Mit einer Persönlichen Rufnummer ist ein Zugang zu und von allen Telekommunikationsnetzen unter einer Rufnummer unabhängig vom Standort und vom Endgerät möglich. Jeder, der bei einem Netzbetreiber seine Persönliche Rufnummer beauftragen möchte, kann eine solche Rufnummer beantragen.

Die Idee einer Festnetznummer, die ein ganzes Leben lang gleich bleibt, klingt auf Anhieb sehr praktisch. Diese Festnetznummer lässt sich auch auf mehrere Geräte – auch mobil – festlegen, so dass man überall mit der selben Nummer erreicht werden kann. Das Problem: Anrufer zahlen für Verbindungen auf eine 0700 Nummern meistens separate Kosten, die sehr unterschiedlich ausfallen können und die auch NICHT von den meisten Allnet Flat mit abgedeckt sind. Daher schrecken viele Nutzer davor zurück, bei 0700 Rufnummern anzurufen, weil sie sich nicht sicher sind, welche Kosten entstehen. Mittlerweile sind die Kosten aber auf maximal 9 Cent pro Minute begrenzt, daher hat man hier zumindest eine Obergrenze für die Kosten. Allnet Flat Nutzer zahlen aber dennoch weiter extra. Mehr Details zu 0700 Nummern gibt es hier: die Vorwahl 0700

0800 und 00800 Nummern – Freephone ohne Kosten

Die Vorwahl 0800 wurde eingeführt, um Nutzern zu signalisieren, dass ein Anruf kostenlos erfolgen kann. Verbindungen zu einer 0800 Rufnummern sind immer kostenfrei, egal ob man aus dem Festnetz oder aus dem Mobilfunk-Netz anruft. Die Kosten übernimmt der Angerufene. Man findet solche Rufnummern oft bei Hotlines und Bestell-Rufnummern. Im Internationalen Raum wird in der Regel die 00800 verwendet um Freephone-Nummern abzuwickeln. Dazu gibt es noch die 0801 als Reserve für zukünftige kostenlose Nummern. Den kompletten Überblick haben wir hier zusammengestellt: 0800 Rufnummern

Die 0900 Sonder-Rufnummern

Die 0900 Rufnummern sind die Nachfolger der 0190 Sondernummern und setzen auf die gleichen Inhalte. Sie bieten recht frei konfigurierbare Tarife, der maximale Kosten deutlich über denen anderer Rufnummern liegen. Betreiber dieser Rufnummern dürfte bis zu 3 Euro pro Minute und bis zu 30 Euro pro Anruf abrechnen. Das ist wesentlich mehr als bei anderen Service-Nummern und daher werden in der Regel hochpreisige Dienstleistungen über diese Rufnummern abgewickelt. Beispielsweise findet man die Erotik-Hotlines mittlerweile hinter 0900 Nummern. Generell ist dieser Bereich mittlerweile streng reguliert um Missbrauch wie bei den 0190 Nummern von Anfang an auszuschließen. Aufgrund der hohen Gebühren locken diese Rufnummern aber dennoch auch immer wieder Betreiber an, die solche Rufnummern eher missbrauchen wollen.

Die Bundesnetzagentur schreibt selbst zu diesen Rufnummern:

Premium-Dienste sind Dienste, bei denen durch einen Betreiber eines Telekommunikationsnetzes eine Telekommunikationsdienstleistung für die Öffentlichkeit erbracht wird und darüber hinaus eine weitere Dienstleistung erbracht wird, die gegenüber dem Anrufer gemeinsam mit der Telekommunikationsdienstleistung abgerechnet wird.

Rufnummern für Premium-Dienste werden von der Bundesnetzagentur einzeln an Inhalteanbieter zugeteilt. Dadurch kann jeder Inhalteanbieter jede Rufnummer beantragen, unabhängig davon, bei welchem Netzbetreiber er Kunde ist. (0)900er-Rufnummern haben keine Tarifkennung und sind dadurch flexibel tarifierbar. Der Inhalteanbieter kann für jede Rufnummer individuell den Preis festlegen, den ein Anruf kosten soll. Im Rahmen einer freiwilligen Selbstkontrolle folgt auf die Dienstekennzahl (0)900 eine Inhaltekennung (1 für Information, 3 für Unterhaltung, und 5 für sonstige Dienste). Dadurch besteht für die Anschlussinhaber die Möglichkeit, gezielt bestimmte Inhalte zu sperren.

Die genauen Kosten und Details zu den 0900 Sonderrufnummern gibt es in diesem Artikel: 0900 Vorwahl und Rufnummern

Behörden-Dienste und andere Sonderrufnummern

Zwei Sonderrufnummern kennt wohl jeder, auch wenn die wenigsten sie als Sonderrufnummern einordnen: die 110 (Polizei-Notruf) und die 112 (Feuerwehr-Notruf). Beide Rufnummern sind kostenfrei erreichbar und leiten an die jeweilige Notrufstelle weiter.

Ein Sonderfall in diesem Bereich ist die Rufnummer 19222. Darüber kann man Rettungswagen bestellen, wenn man eine Krankentransport benötigt. Teilweise ist diese Rufnummer noch einfach so als Kurzwahl nutzbar, teilweise mittlerweile nur noch per Ortsvorwahl. Aus dem Handynetz muss man IMMER die Ortsvorwahl mit nutzen.

Darüber hinaus gibt es aber auch noch weitere Rufnummern, die diesem Bereich zuzuordnen sind. Unter der 115 wird beispielsweise gerade der Behörden-Call aufgebaut und die 116117 ist vor allem in der Corona-Pandemie als ärztliche Auskunft bekannt geworden. Daneben gibt es aber auch noch die Kurzwahl 116116 als zentraler Sperrdienst für Karte (egal ob Kreditkarte, Bankkarte oder Simkarte).

Generell gibt es dazu noch mit der Vorwahl 118 die Auskunftsdienste in Deutschland. Dort kann man Rufnummern erfragen und sich auch direkt verbinden lassen, die Kosten sind in diesem Bereich aber vergleichsweise hoch.

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